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Flussregenpfeifer Titelbild

Der Flussregenpfeifer gehört zu den Limikolen, auch Watvögel genannt (durch etwas waten). Limikolen leben an Ufern, Küsten und in Feuchtgebieten.

Ursprünglich brütete der Flussregenpfeifer an naturnahen, dynamischen Gewässern, die in flachen Abschnitten Kiesbänke bilden. Diese Lebensräume sind in der Schweiz und in den angrenzenden Ländern selten geworden. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden aus Platzgründen und zur Sicherheit vor Hochwasser 90 % unserer Flüsse und Bäche eingedämmt, kanalisiert und die Landbewirtschaftung bis an das unmittelbare Ufer ausgedehnt. Aus diesem Grund begann die Art, Kiesgruben und Baubrachen als Ersatzlebensräume zu besiedeln. Aber auch diese sind stetem Wandel unterworfen.

Entlang von renaturierten Flüssen ist der Flussregenpfeifer vor allem in Jahren mit Niedrigwasser im Frühling wieder vermehrt anzutreffen. Sein Lebensraum sind Schotter-, Kies- und Sandflächen im Mittelland und in grossen Flusstälern der Alpen.

Flussregenpfeifer Lebensraum

Der sperlingsgrosse Watvogel hat einen braunen Rücken, eine weisse Unterseite und ein breites schwarzes Halsband. Der Kopf ist schwarz-weiss gezeichnet. Der Schnabel ist kurz und dunkel, die Beine braungelb gefärbt. Die Augen sind schwarz, besonders auffällig ist der gelbe Lidring, derwährend der Brutzeit sehr ausgeprägt ist.

Flussregenpfeifer Lidring

Beide Geschlechter weisen die gleiche Färbung auf.

Flussregenpfeifer Paar

Ende März/anfangs April kehrt der Flussregenpfeifer aus seinem Winterquartier in Afrika zurück. Die Paare streifen umher und suchen eine geeignete Stelle für den Nistplatz. Gegen Ende der Balz erfolgt der Nestbau. Das Nest besteht aus einer einfachen, in den Boden gescharrten Mulde, die mit kleinen Steinchen ausgekleidet ist, manchmal werden Pflanzenteilchen eingetragen.

Das Weibchen legt 4 Eier, die während 22 bis 28 Tagen bebrütet werden. Beide Eltern beteiligen sich an Brut und Aufzucht der Küken.

Flussregenpfeifer-Küken sind Nestflüchter, d.h. sie verlassen kurz nach dem Schlüpfen ihr Nest, flügge sind sie aber erst nach 24 bis 29 Tagen. Die Flussregenpfeifer-Altvögel vollführen ein grossartiges Theater, wenn sich Störenfriede und potenzielle Feinde nähern:

Mit klagenden Rufen flattern sie vor dem Eindringling her, lassen einen Flügel hängen und kippen sogar auf eine Körperseite um. So lenken sie ihn von den eigenen Jungen weg. In der Fachsprache nennt man dieses Verhalten „Verleiten“. Allerdings müssen die Vögel aufpassen, dass sie dabei selber nicht Opfer des Eindringlings werden. Sobald ihnen die Distanz ausreichend erscheint, sind die angeblich verletzten Vögel plötzlich wieder gesund und fliegen zu ihren Jungen zurück.

Flussregenpfeifer Jugendkleid

Normalerweise finden 2 Jahresbruten statt. Das Weibchen verlässt die Familie meist vor dem Männchen, um ein weiteres Gelege zu beginnen.

Die Sterblichkeit der Küken beträgt vor dem Flüggewerden über 60%.

An der Schnabelspitze der Limikolen befinden sich die Tastsinnorgane. Der Flussregenpfeifer ernährt sich von Würmern und Insekten, die er am Boden mit dem Schnabel aufpickt. Meistens sucht er seine Nahrung visuell, gelegentlich jedoch stampft er auch auf dem Sand oder Schlamm herum, um so seine Beute aufzuscheuchen. Die Vögel sind sehr gut getarnt und auch die Eier und das Nest sind kaum von der Umgebung auszumachen.

Der Flussregenpfeifer kann schnell rennen, deshalb wohl auch der italienische Name „Corriere piccolo“ (kleiner Eilbote/Kurier).

Ein Verwandter des Flussregenpfeifers ist der Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula). Er ist etwas grösser als der Flussregenpfeifer und hat keinen gelben Lidring, seine Beine sind orange gefärbt. Ausserdem bewohnt er hauptsächlich die Meeresküsten und die Tundra im Norden Europas und Sibiriens. In der Schweiz und in Süd-Deutschland kann er vor allem auf dem Durchzug beobachtet werden.

Sandregenpfeifer

An wiederkehrende Hochwasser und daran, dass sich die Uferlandschaft an ihren Standorten immer wieder verändert, können sich Flussregenpfeifer naturgemäss gut anpassen, an die vielen lauten Wassersportler, Badenden und Hunde hingegen nicht. Kiesinseln sind für Erholungssuchende und Kiesbrüter gleichermassen attraktiv. Deshalb spielt heute die Besucherlenkung eine wichtige Rolle: Mit Hinweistafeln versucht man, Verständnis und Rücksicht für diese Vögel zu fördern. Renaturierungen, Brutinseln und Schutzgebiete sind enorm wichtig für das Überleben dieser anmutigen Regenpfeifer. Nur so können wir jeden Frühling erleben, wie sich auf Schotter- oder Sandbänken plötzlich Kieselsteine zu bewegen scheinen – der Flussregenpfeifer ist von seinem Winterquartier im südlichen Afrika zurück!

Flussregenpfeifer T
Die Dokumentation zum heutigen Vogel des Monats für den Unterricht finden Sie hier: Flussregenpfeifer

Die interessanten Informationen hat Edith Herzog für uns zusammengestellt, die herrlichen Fotos sind von Beni Herzog. Herzlichen Dank.

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